CONNECT People - Blog aus Chile

25.9.2019 - Die Vorbereitungen laufen

© Fraunhofer

Matthias Steinmaßl mit seiner Ausrüstung

Letzte Woche habe ich mir für die Reise nach Chile meinen "Lappen" abgeholt. Um dort ein Auto fahren zu dürfen, benötigt jeder Ausländer zusätzlich einen internationalen Führerschein nach dem Pariser Abkommen von 1926. Es sind nur 18 Staaten, in denen der neue internationale Führerschein noch nicht gilt, darunter der Vatikanstaat, in dem es vermutlich kaum mehr Automobile als das Papamobil gibt. Dass ich nochmal in den Besitz des grauen ledernen Führerscheins komme, hat etwas Nostalgisches an sich. Dabei breche ich in ein Land auf, das wie kein Zweites für den Aufbruch in die Moderne steht. Bis 2050 will Chile die Klimaneutralität erreichen, in keinem Land wächst der Ausbau der emissionsfreien Energien so stark und das ohne staatliche Subventionen. Chile profitiert dabei natürlich von seinem Wasserreichtum und den vielen Wüstengebieten, in denen gerade unzählige dezentrale Photovoltaikanlagen entstehen. Erwähnenswert ist aber auch, dass das Land einen wachsenden Anteil der Solarmodule selbst entwickelt und fertigt, um den Einsatz in Gebieten mit extremen Temperaturen und regelmäßigen Sandstürmen zu ermöglichen. Daran arbeiten übrigens auch Fraunhofer-Kollegen am Center für Solarenergietechnologien (CEST) in der Hauptstadt Santiago.

Was ich genau in Chile machen werde - diese Frage versuche ich kurz vor meiner Abreise mit einer Analogie aus der Automobilindustrie zu beschreiben. Hochzeit wird der Zeitpunkt genannt, bei dem der Motor in die Karosserie eines Wagens eingesetzt wird. Eine ähnliche Verheiratung steht im Projekt BioPat (Fraunhofer IME, CSB und EMFT) an, in dem international und interdisziplinär an einem Schnelltest für Viren versursachte Pflanzenkrankheiten geforscht wird. Am Fraunhofer Center für Systeme der Biotechnologie (CSB) in Santiago de Chile wurden die Gene von Viren, die Weinpflanzen befallen, entschlüsselt und ein biochemischer Nachweis für jene entwickelt. Parallel dazu entwickelten Technologen am Fraunhofer EMFT in München ein Sensorsystem, um diesen biochemischen Prozess elektronisch auszuwerten.

Die Sensoren sind im Gepäck, der Lappen auch. Jede Menge Kleinkram und Ersatzteile, die ich als Elektrotechniker in einem Biochemielabor vermissen werde, müssen noch ihren Platz im Koffer und den Weg durch den Zoll finden. Was ich zollfrei einführen darf, sind die Ideen und Experimente, die ich mit den Kollegen in Santiago geplant habe. Dafür musste ich nur eine Exportkontrolle durchführen.

Ich melde mich bald aus dem Land der Gegensätze und der Lebendigkeit (so schreibt die chilenische Tourismusbehörde).